CASM Technology
Kernkritik
Entwickelte gemeinsam mit dem Institute for Strategic Dialogue das Programm „Beam" zur Echtzeit-Überwachung von Online-Inhalten — einer der technischen Bausteine, mit denen Faktenchecker und Plattformen koordiniert „schädliche Inhalte" markieren.
Hintergrund
CASM Technology ist ein Unternehmen zur IT-gestützten Analyse der sozialen Medien in Echtzeit. Es arbeitet eng mit dem Institute for Strategic Dialogue zusammen. Es verfolgt einen totalitären Anspruch beim Ausforschen des Internets, von Wikipedia bis YouTube. Regierungskritiker und kritische Thesen werden katalogisiert und analysiert. Damit munitioniert CASM dann die Behörden und NGOs des Wahrheitskomplexes.
Steckbrief
- Gegründet: 2013 als CASM Consulting LLP als Ausgründung aus dem Centre for the Analysis of Social Media (CASM) des britischen Think-Tank DEMOS.
- Sitz: London
- Leitung: Alex Krasodomski-Jones, Jeremy Paul Reffin, David Jeremy Weir (jeweils Gründer und Partner)
- Mitarbeiter: 16 (2026)
- Partner: Britisches Digital- und Medienministerium, Institute for Strategic Dialogue (ISD) (seit 2018), Stop Funding Heat, BBC Monitoring, UK News (Times, Sun), EcoBotNet
- Personelle Verflechtungen: Alex Krasodomski-Jones: ISD (Fellow), Chatham House (Leiter Digital Society Program); Demos (Fellow, ehem. Direktor); Francesca Acostanzo: ISD (jeweils leitendes Management)
- Mitgliedschaft: CAAD
Claim (übersetzt): „Wir gehen gegen schädliche Online-Inhalte vor: Klima, Gesundheit, Wahlbeeinflussung, Gezielte Belästigung, Hass und Extremismus, Geheimdienstoperationen, Illegaler Online-Wildtierhandel, Faktenchecks.” Das Unternehmen gibt an, sieben Wahlen geschützt und 400 NGOs eingebunden zu haben, davon 15 Klimaschutzorganisationen.
Kunden von CASM Technology sind Regierungen, Geheimdienste, Medien, Stiftungen und andere Organisationen: Für die Gates-Stiftung beobachteten CASM Technology und ISD im ganzen Jahr 2020 gemeinsam Anti-Impfstoff-Desinformation im Internet (also schon bevor die Impfstoffe zur Verfügung standen).
Beam
Aus einer Präsentation von CASM Technology und Institute for Strategic Dialogue (ISD), ohne Datum (1. HJ 2023):
„Beam ist eine mehrsprachige, plattformübergreifende Funktion zur Aufdeckung und Bekämpfung von Informationsbedrohungen.”
Im Jahr 2021 gewann Beam einen vom US-Außenministerium, dem Digital- und Medienministerium und der NATO ausgelobten Preis für Technologien zur Bekämpfung von Desinformation. Laut Eigendarstellung nutzen Journalisten, Rechtsanwälte, Aktivisten, Faktenchecker, Regulierer und Geheimdienste das Instrument.
Im Auftrag des US-Department of Homeland Security erstellen ISD und CASM Technology zweimonatliche Berichte zu „US Online Violent Domestic Extremism”, bei denen Beam zum Einsatz kommt.
Klimagipfel
Zum Thema Beam und Klima-„Desinformation” heißt es in der Präsentation:
„Das Team entwickelte Strategien zur Aufdeckung, Unterbrechung und Entschärfung bösartiger, koordinierter Beeinflussungskampagnen.”
Im Jahr 2021 arbeitete das Team mit dem Referat für Desinformationsbekämpfung des DCMS (britisches Digital- und Medienministerium) zusammen, um seine Überwachung mit den Bemühungen des gesamten britischen Ministeriums zu integrieren. Zwölf Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich des Klimaschutzes tätig sind, bekannt als „Climate Action Against Disinformation”, erhielten Zugang zum Datensystem. Dieses Engagement aus erster Hand und in Echtzeit ermöglichte es den Teams, über 100 Medienbeiträge und journalistische Berichte zu erstellen.
Anwendung im Ukraine-Krieg
„Beam wird seit dem Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 konsequent für die Erkennung und Analyse von kremlfreundlichen Desinformationskampagnen eingesetzt.”
Im Rahmen dieses Projekts sollte untersucht werden, inwieweit kremlfreundliche Inhalte und Narrative das Online-Publikum erreichen, obwohl mehrere Regierungen, die EU und große Tech-Plattformen Maßnahmen zur Eindämmung von Propaganda ergriffen haben. Diese Forschung erstreckte sich über mehr als 10 Sprachen und Länder und nutzte Deep-Learning-Modelle der nächsten Generation.
Anwendung auf französische Wahl
In den Monaten vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2022 nutzten ISD und CASM Technology Beam „um Desinformation und Fehlinformationen zu untersuchen”. Sie sammelten Daten, analysierten Soziale Medien und erstellten Netzwerkanalysen. Im Zentrum standen dabei Covid-19, Kontroversen um den Impfpass und andere Seuchenmaßnahmen.
Es steht da zwar nicht ausdrücklich, aber man darf annehmen, dass es die Regierung war, die hier mit Steuergeld und mit von anderen Regierungen finanzierten quasi-geheimdienstlichen Analyseinstrumenten die Opposition und ihre Unterstützer ausforschen ließ.
Anwendung zur Unterdrückung von Demonstrationen
Praktisch ist die Internetausforschung in Echtzeit auch, wenn regierungskritische Massenzusammenkünfte drohen. Dazu schreiben CASM und ISD in ihrer Präsentation verständlicherweise nur:
„In Krisenzeiten kann Beam zu einer Quelle von Informationen über die Online-Mobilisierung für reale Aktionen werden.”
Wir wissen leider nicht, ob die französische Regierung das hilfreiche Ausforschungsprogramm schon 2018/19 genutzt hat, als ihr die über soziale Medien organisierten Gelbwestenproteste das Leben schwer machten. Aber die Tatsache, dass das Programm für solche Situationen angepriesen wird, ist doch recht bedenklich.
Informationskrieg auf Wikipedia
Im Bericht „Information Warfare and Wikipedia” analysieren ISD und CASM Technology Strategien, mit denen man im Informationskrieg Wikipedia manipulieren kann. Damit gewannen sie einen Preis des US-Außenministeriums für innovative Lösungen für das Problem der Desinformation und Propaganda in Europa.
Als Fallstudie nahmen sie die englischsprachige Wikipedia-Seite zum russisch-ukrainischen Krieg und fanden 86 Redakteure, die zuvor Änderungen an der Seite vorgenommen hatten und die aufgrund von Vandalismus, Sockenpuppen-Accounts usw. aus der Wikipedia verbannt worden waren. Mit Beam verfolgten sie die 794.771 Änderungen, die diese 86 Redakteure in der gesamten Wikipedia vorgenommen hatten, und nutzten die Netzwerkanalyse, um andere Seiten zu identifizieren.