Recherchen

Sechs Beispiele, in denen sich Diskurs und Aktenlage trennen.

Jede Karte zeigt eine wiederkehrende Behauptung, die Aktenlage dahinter und wo Sie weiterlesen können — im Akteurs-Atlas oder direkt bei den Original-Recherchen von Norbert Häring.

Geldflüsse

Kapitel 1

Wie viel Werbung kauft die Bundesregierung in deutschen Medien?

Was im Diskurs gesagt wird
Staatliche Werbung wird in der Berichterstattung selten thematisiert; wenn doch, gilt sie als „normale Öffentlichkeitsarbeit".
Was die Recherchen zeigen
Antworten auf parlamentarische Anfragen zeigen rund 200 Mio. € pro Jahr (2021/2022). Die größten Empfänger sind exakt die Verlage, die im redaktionellen Teil über Regierungsarbeit berichten — Ad Alliance, Springer, FAZ, Funke, Burda, Süddeutsche.
Quellenlage
Antworten der Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen

Wissenschaftskommunikation

Kapitel 1

Sind Experten-Statements in Pandemie-Berichten redaktionell ausgewählt?

Was im Diskurs gesagt wird
Wissenschaftliche Einordnungen erscheinen in Redaktionen als unabhängige journalistische Recherche.
Was die Recherchen zeigen
Das Science Media Center Germany liefert akkreditierten Journalist:innen vorausgewählte Statements. Die Auswahl ist für Leser:innen nicht erkennbar — gleiche Zitate erscheinen gleichzeitig in Dutzenden Medien.
Quellenlage
SMC-Website, eigene Verlautbarungen, Recherchen Norbert Häring

DSA & NetzDG

Kapitel 2

Woher kam die Logik des NetzDG?

Was im Diskurs gesagt wird
Das NetzDG (2017) wurde als Reaktion auf „Hass im Netz" aus der Mitte der Gesellschaft beschrieben.
Was die Recherchen zeigen
Die argumentative Vorarbeit lieferten über Jahre staatlich kofinanzierte Stiftungen, allen voran die Amadeu Antonio Stiftung. Ihre Vorschläge — Plattformen müssen melden, löschen, dokumentieren — wanderten nahezu unverändert ins Gesetz und später in den DSA.
Quellenlage
Programmberichte „Demokratie leben!“, Stiftungsdokumente

NATO-Strukturen

Kapitel 5

Wer formulierte die theoretische Begründung des Faktencheckens?

Was im Diskurs gesagt wird
Faktencheckerei wird als neutrale, methodisch strenge Form des Journalismus dargestellt.
Was die Recherchen zeigen
Eine zentrale theoretische Begründung kommt aus Publikationen des Atlantic Council — eines Think Tanks, dessen Beiräte mit ehemaligen US-Geheimdienstkoordinatoren, NATO-Generalsekretären und Konzernchefs besetzt sind. Die Empfehlungen wandern in westliche Plattform-Regulierung.
Quellenlage
Atlantic Council Reports, NATO-Publikationen, Recherchen Norbert Häring

Klima

Kapitel 5

Wie unabhängig ist die globale Klima-Berichterstattung?

Was im Diskurs gesagt wird
Klimajournalismus erscheint als Reaktion einer freien Presse auf wissenschaftliche Befunde.
Was die Recherchen zeigen
Internews und sein Earth Journalism Network qualifizieren rund 25.000 Klimajournalist:innen weltweit. Finanziert wird das überwiegend aus US-Bundesmitteln (USAID, State Department) und großen Stiftungen — eine in den Beiträgen nicht ausgewiesene Förderkette.
Quellenlage
Förderübersichten USAID, Internews-Jahresberichte

DSA & NetzDG

Kapitel 3

Wer beobachtet die EU-Faktencheck-Landschaft?

Was im Diskurs gesagt wird
Faktencheck-Netzwerke werden als unabhängige Mehrwerts-Schicht gegenüber Plattformen beschrieben.
Was die Recherchen zeigen
Das European Digital Media Observatory (EDMO) wird von der EU-Kommission finanziert, prüft Inhalte mit EU-Bezug und liefert seine Daten zugleich in den DSA-Vollzug. Auftraggeber, Prüfer und Vollzieher sitzen so eng beieinander, dass die Sphären verschwimmen.
Quellenlage
EDMO-Charta, EU-Kommissions-Förderübersichten

Hinweis: Die Recherche-Karten fassen Argumentationsstränge aus dem Buch zusammen. Belege, Original-Dokumente und Detail-Fußnoten finden Sie in den verlinkten Tiefenartikeln und im Buch selbst.

Probieren Sie zum Beispiel: