Faktenchecker im Porträt

Correctiv

Wahlen Pandemie Hass und Hetze

Kernkritik

Doppelrolle als investigative Redaktion und Faktencheck-Stelle bei gleichzeitiger Stiftungsfinanzierung. Kritisch wird vor allem die intransparente Themenauswahl und die enge Verflechtung mit staatsnahen Mittelgebern gesehen.

Hintergrund

Die „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH” hat einen kommerziellen Ableger „Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG”, der Bücher verlegt und Faktenchecken betreibt. Geschäftsführer ist jeweils David Schraven, ein Journalist aus dem Umfeld des SPD-Politikers Bodo Hombach.

Seit SPD-Minister Heiko Maas Facebook bedrängte, mit Faktencheckern zusammenzuarbeiten, gibt Correctiv-Faktencheck der Plattform X als kommerzieller Partner Hinweise auf Beiträge, vor denen sie warnen oder die sie löschen oder ausbremsen sollten. Correctiv ist zusammen mit den Nachrichtenagenturen dpa, APA und AFP Kernmitglied der deutsch-österreichischen Beobachtungsstelle für digitale Medien (GADMO), einem Stützpunkt von EDMO. EDMO ist eine von der EU-Kommission gegründete und indirekt finanzierte Organisation zur Koordination und Förderung der (regierungsnahen) europäischen Faktencheckerszene.

Besonders bekannt und wirkmächtig wurde Correctiv durch die Anfang 2024 veröffentlichte Recherche „Geheimplan gegen Deutschland”, in deren Nachgang es wochenlang große Demonstrationen gegen „Rechts” in vielen deutschen Städten gab. Die Kernaussagen dieser Correctiv-Veröffentlichung, von einem rechten Treffen in Potsdam bleibe „ein Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern” zurück und Teilnehmer Martin Sellner habe dort eine „Ausbürgerungsidee” geäußert, hat das Landgericht Berlin Correctiv im März 2026 untersagt.

Wenige Tage nach Veröffentlichung der Geheimplan-Recherche brachte das Berliner Ensemble unter Kay Voges diese als szenische Lesung auf die Bühne und via Aufzeichnung in die digitalen Medien. Im September 2025 verkündeten das Schauspiel Köln unter Voges und Correctiv eine auf mindestens fünf Jahre angelegte Zusammenarbeit, um Correctiv-Recherchen auf die Bühne zu bringen. Den Auftakt machte das Schauspiel mit einer (positiven) Nachbetrachtung der Geheimplan-Recherche im Lichte der bis dahin ergangenen Gerichtsurteile. Ende März 2026 verkündeten Schauspiel Köln und die EU-finanzierte European Theatre Convention (ETC) als Projektleiter das EU-geförderte Projekt Truth on Stage (TRUST). Nach dem erklärten Vorbild der Geheimplan-Bühnenstücke wollen in dessen Rahmen neun große europäische Theater investigativjournalistische Recherchen auf die Bühne bringen.

Steckbrief

  • Gegründet: 2014
  • Sitz: Gesellschaft: Essen; Redaktion: Berlin
  • Gründer: David Schraven
  • Gesellschafter: David Schraven und Kuratoren
  • Budget: 9,4 Mio. (2024, Jahr der Geheimplan-Publikation), 4,8 Mio. Euro (2023)
  • Staatliche Förderung: 610.000 Euro (2024)
  • Sonstige Geldgeber: Auswahl, 2024: Schöpflin Stiftung (250.000 Euro); Mercator Stiftung (182.000 Euro); Adessium Foundation (157.000 Euro); European Climate Foundation (157.000 Euro); Allianz Foundation (100.000 Euro); 2023 außerdem Luminate (661.000 Euro)
  • Mitarbeiter: ca. 150 werden auf der Website aufgeführt, davon 15 bei Faktencheck
  • Mitglied von: Covering Climate Now (CCNow), German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO); European Fact-Checking Standards Network (EFCSN); International Fact-Checking Network (IFCN)

Der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Bodo Hombach sorgte als stellvertretender Vorsitzender der Brost-Stiftung für die Anschubfinanzierung von 3 Mio. Euro für David Schraven, dessen Chef bei der Verlagsgruppe WAZ er zuvor gewesen war. Zusätzliche Anschubfinanzierung kam von Open Society Foundations. Bis 2016 war Hombach Vorsitzender des Ethikbeirats von Correctiv. Personelle Verflechtungen bestanden vor allem in den Gründungsjahren von Correctiv-Faktencheck zur Amadeu Antonio Stiftung und zum Institute for Strategic Dialogue (ISD).

Die guten Beziehungen zur SPD aus den Anfangsjahren blieben bis heute erhalten. So hat sich die Geschäftsführerin von Correctiv, Jeanette Gusko, kurz vor dem rechten Treffen in Potsdam, über das Correctiv so spektakulär berichtete, zwei Mal mit Vertretern der Bundesregierung getroffen, darunter einmal mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Am 7. November traf sie im Bundeskanzleramt unter anderem den Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD). Eine Begegnung des Bundeskanzlers mit Gusko habe „spontan am Rande der Konferenz Ostdeutschland 2030 am 17.11.2023” stattgefunden, antwortete die Regierung auf eine Abgeordnetenanfrage. Das Treffen in Potsdam fand am 25. November statt. Laut dem Nachrichtenportal Nius hatte Correctiv zum Zeitpunkt der Gespräche mit den Regierungsvertretern bereits die Infiltration des Treffens in die Wege geleitet. Gespräche von Correctiv mit Regierungsvertretern gab es offenbar recht häufig.

Quellen

  1. Norbert Häring — Correctiv (Spinnen im Netz) — norberthaering.de
  2. Der Wahrheitskomplex (Kapitel 2) — Westend Verlag, 2026
  3. Liber-Net — Profil Deutschland — Liber-Net

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