dpa-Faktencheck
Kernkritik
Es gibt große Interessenkonflikte. Eine Nachrichtenagentur, deren Mehrheitsstruktur auf Mediengesellschafter und öffentlich-rechtliche Anstalten zurückgeht, prüft die Aussagen von deren unabhängiger Konkurrenz. dpa-Faktencheck bekommt Programmförderung aus Steuergeld in Millionenhöhe und kooperiert eng mit Behörden und EU. Kritik an diesen Geldgebern und Kooperationspartnern klassifiziert dpa-Faktencheck oft als Desinformation.
Hintergrund
Der dpa-Faktencheck ist die seit 2017 aktive Faktencheck-Sparte der Deutschen Presse-Agentur. Er veröffentlicht Faktenchecks, die von seinen vielen Medienkunden vielfach übernommen werden. Außerdem betätigt er sich für soziale Medienplattformen wie Facebook als bezahlter Faktenchecker, dessen Urteil Grundlage für Entscheidungen über das Löschen oder Ausbremsen der Verbreitung von Beiträgen ist.
Anders als bei kleineren Faktencheck-Stellen entfaltet sich die Wirkung von veröffentlichten Faktenchecks der dpa nicht vorrangig im Direkt-Publikum, sondern im Multiplikator-Effekt: Was von „dpa-Faktencheck” als Desinformation markiert ist, wird in der Folge zum Tabu bei dpa selbst und bei einer Vielzahl von Medienprodukten.
Strukturell ist die dpa eine Genossenschaft, an der nahezu alle größeren deutschen Verlage und über Beteiligungen auch öffentlich-rechtliche Anstalten beteiligt sind. Eine Nachrichtenagentur, die etablierten privaten Medienhäusern und öffentlich-rechtlichen Anstalten gehört, prüft Aussagen, die häufig von Konkurrenzanbietern stammen und den in dieser Sphäre bevorzugten Narrativen widersprechen. Das ist eine Interessenkollision zwischen Träger und Prüfer, die in der Berichterstattung kaum je ausgewiesen wird.
Der dpa-Faktencheck ist Mitglied im von der EU-Kommission gegründeten und finanzierten deutsch-österreichischen Faktencheckernetzwerk GADMO. Als solches kooperiert er mit der Kommission und mit Behörden. Gleichzeitig prüft er Kritik an Maßnahmen und Aussagen dieser öffentlichen Finanzierer und Kooperationspartner und deren bevorzugten Narrativen.
Die Faktenprüfer der dpa erhalten Programmförderung aus Steuermitteln in Millionenhöhe, obwohl dpa betont, dass man zur Wahrung der Unabhängigkeit keine staatliche Förderung annehme.
Zusätzlich zu ihrem Einfluss auf die Berichterstattung der Abonnenten ihrer Texte und dem Einfluss ihrer Faktenchecker auf das, was auf Facebook und anderen sozialen Medien Verbreitung finden darf, schloss dpa 2022 auch noch eine Vereinbarung mit Facebook, wonach dpa die Nachrichten auswählt, die auf Facebook News ausgespielt werden.
Die dpa verweist auf ihre Faktencheck-Methodik und auf das IFCN-Code-of-Principles-Verfahren als externen Prüfrahmen. Zur Programmförderung aus Steuermitteln betont sie, zur Wahrung der Unabhängigkeit keine staatliche Förderung anzunehmen.
- Norbert Häring — Die regierungsfinanzierten Faktenchecker von DPA fallen vor Gericht auf ihre lange Nase — norberthaering.de
- Der Wahrheitskomplex (Kapitel 2) — Westend Verlag, 2026