NGO im Porträt

Institute for Strategic Dialogue (ISD)

Wahlen Klima DSA & NetzDG

Kernkritik

Ursprünglich für Terrorbekämpfung geschaffen, heute zentrale Lobbyorganisation des Wahrheitskomplexes. Enge Verbindungen zu Geheimdiensten.

Hintergrund

Das Institute for Strategic Dialogue (ISD) ist eine der wichtigsten Institutionen des Wahrheitskomplexes. Es ist sehr intensiv und breit mit dessen NGOs und Behörden vernetzt. Das ISD sorgt in Ländern der angelsächsischen Five-Eyes-Geheimdienstallianz und der NATO dafür, dass die NGOs des Wahrheitskomplexes mit hochkarätigen Tools zur Internetausforschung versorgt und in der Anwendung geschult werden. Das ISD konzentrierte sich ursprünglich auf Terrorismus- und Extremismusbekämpfung, was fast zwangsläufig eine gewisse Nähe zu den Geheimdiensten mit sich bringt. Später wurde der Fokus zunehmend auf die Bekämpfung von „Desinformation” verschoben. Das ISD erstellt außerdem Forschungsberichte und berät Regierungen auf höchster Ebene. Es war maßgeblich beteiligt, als die deutsche Bundesregierung anfing, Druck auf die digitalen Medienplattformen auszuüben, NGOs des Wahrheitskomplexes zu finanzieren und diese an der Inhaltemoderation zu beteiligen.

Steckbrief

  • Gegründet: 2006 in London
  • Sitz: Washington D.C. (seit 2024), Ableger in Großbritannien, Deutschland (ISD Germany gGmbH in Berlin), Kanada, Frankreich, Jordanien
  • Leitung: Sasha Havlicek (seit Gründung); ISD Germany: Cornelius Adebahr, Julia Ebner
  • Budget: ISD US (Zentrale): 12,8 Mio. Dollar (2024); ISD Germany: 3,8 Mio. Euro (2023), davon 1,6 Mio. Euro EU-Projektförderung
  • Staatliche Förderung: Ohne Aufgliederung werden als öffentliche Geldgeber gelistet: UN, EU-Kommission, International Organization for Migration (IOM), Bundesregierung, NRW Staatskanzlei, B.-W. Staatsministerium, Regierungen der USA und der Five-Eyes-Länder (inkl. US-Heimatschutzministerium) sowie Dänemark und Finnland.
  • Sonstige Geldgeber: Google, Microsoft, Spotify, Accenture u.a. Unternehmen und eine große Zahl von Stiftungen, darunter die üblichen Finanzierer des Wahrheitskomplexes
  • Mitarbeiter: ca. 65 auf der Website präsentiert, davon 20 ISD Germany
  • Personelle Verflechtungen: Mehrere Manager von ISD sind gleichzeitig Manager von CASM Technology: Francesca Acostanzo, Havlicek (Auswahl): European Council on Foreign Relations, Forum on Information and Democracy, Issue One, NewsGuard Global Coalition on Internet Safety des World Economic Forum; Adebahr: Carnegie Europe, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), EU-Expertenkommission „Team Europe Direct”, Hertie School; Volt

ISD-Forschungsmanager Jakob Guhl, der seit Herbst 2017 beim ISD ist, hat laut seinem Profil von 2021 sowohl das Deutsche Justizministerium zur Bekämpfung von „Online-Hass” beraten, als auch die Ministerien für Inneres und Familien dazu, wie sie die Prävention gegen rechten Extremismus und Antisemitismus stärken können. Vom Justizministerium stammt das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von 2017, das als Vorbild für den europäischen Digital Services Act diente. Familien- und Innenministerien sind die wichtigsten staatlichen Sponsoren der NGOs des Wahrheitskomplexes. Guhl war beim ISD für die Online Civil Courage Initiative zuständig, die Facebook 2016 auf Drängen des ISD startete, um NGOs des Wahrheitskomplexes zu fördern.

Fusion mit Alliance for Securing Democracy

Im Januar 2026 ging die Alliance for Securing Democracy (ASD) des German Marshall Fund of the US im ISD US auf. Die ASD war 2017 von höchstrangigen ehemaligen US-Geheimdienst- und NATO-Offiziellen gegründet worden, in Reaktion auf die Diskussion um russische Beeinflussung der Präsidentschaftswahl 2016. Finanziell unterstützt wurde sie von einigen der üblichen Finanzierer des Wahrheitskomplexes sowie indirekt über den German Marshall Fund von den Regierungen der USA und einiger EU-Länder. ASD ist u.a. Schöpfer des „Hamilton 68 Dashboard”, mit dem russische Einflussoperationen durch Ausforschung der Aktivitäten von Social-Media-Accounts aufgedeckt werden sollten. Das Dashboard verunglimpfte radikal linke und Trump-freundliche Medienaccounts ohne solide Indizien als russische Einflussagenten. Die Hamilton-68-Liste in der Version 2.0 war auch am 29.3.2026, unter ISD-Ägide, noch aktiv.

Mit der Fusion wurde ASD-Chef David Salvo Managing Director for Transatlantic Policy and Programming des ISD. Vor seiner Zeit bei ASD hatte er zehn Jahre im US-Außenministerium gearbeitet.

ISD Germany

Der Direktor für Digitale Methoden, Jan Nicola Beyer, und die Senior Managerin für Digitale Methoden, Beatriz Saab, kommen von Democracy Reporting International. Die Projekt- und Forschungskoordinatorin, Solveig Barth, arbeitete zuvor für das NATO Civil-Military Cooperation Centre of Excellence (CCOE) und das Military Co-Operation Command (MN CIMIC Cmd). Von Democracy Reporting International kommt auch Helena Schwertheim, die allerdings in London arbeitet.

Im Beirat von ISD Germany sitzen u.a. Wolfgang Ischinger (Münchner Sicherheitskonferenz), Georg Mascolo (Netzwerk Recherche, Reporter ohne Grenzen, Atlantik-Brücke, Münchner Sicherheitskonferenz, ehem. Rechercheverbund NDR, WDR, Süddeutsche Zeitung und ehem. Spiegel) und Marina Weisband.

Digital Policy Lab

ISD Germany und ISD UK verwalten und steuern gemeinsam das mit dem Geld der Bundesregierung 2020 gegründete Digital Policy Lab. Dort arbeiten Regierungsvertreter an einer gemeinsamen Regulierungsagenda der Mitgliedsländer. Es ist eine zentrale Organisation zur internationalen Koordination der staatlichen Zensurbemühungen.

Aktivitäten und Projekte

Notorious

Notorious ist ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt von ISD Germany, in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und dem „Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut”. Es heißt in Langform „Plattform-übergreifende Identifikation, Überwachung und Modellierung von Verbreitungsmustern von Desinformation”. Im Rahmen dieses ausgesprochen fragwürdigen Projekts werden die Social-Media-Aktivitäten von regierungskritischen Prominenten ausgeforscht und die Verbreitungsmuster von ihren Inhalten analysiert. In der Projektbeschreibung wird der verlorenen Funktion der Mainstream-Medien nachgeweint, zu bestimmen, wessen Meinung die Öffentlichkeit zur Kenntnis bekommt und wessen nicht. Mit anderen Worten: Die regierungsgeförderte Analyse soll genutzt werden, um gezielt und möglichst unauffällig die Verbreitung der Inhalte von regierungskritischen Prominenten zu unterbinden und stattdessen den „demokratiestützenden” Äußerungen weniger kritischer Prominenter zu weiterer Verbreitung zu verhelfen.

Medienauftritte

ISD-Mitarbeiter lassen sich gern und oft international von den Medien als Experten präsentieren, wenn eine Propagandakampagne zu fahren oder Proteste gegen die Regierung zu diskreditieren sind. Das gilt auch für die deutschen. Dem ARD-Faktenfinder bestätigte beispielsweise eine ISD-Expertin im Juli 2023, dass (korrekte) Berichte vom Scheitern der damaligen ukrainischen „Sommeroffensive” russische Propaganda seien, garniert mit der Aufforderung an die Medien, solche Berichte tunlichst nicht mehr zu veröffentlichen, und eine weitere 2024, dass Videos von Joe Bidens geistigen Aussetzern von einem rechten Netzwerk gesteuerte Desinformation seien. Im Februar 2024 erklärte eine ISD-Expertin in der Süddeutschen Zeitung, dass die damaligen Bauernproteste von rechtsradikalem und verschwörungsideologischem Gedankengut geprägt seien.

Als Correctiv im Januar 2024 seine mittlerweile gerichtlich untersagte Behauptung der von Rechten geplanten Massendeportationen veröffentlichte, erklärte Julia Ebner, Ko-Chefin von ISD Germany, im Gespräch mit Dunja Hayali im Heute-Journal, warum dieser „Plan” zutiefst rassistisch, extremistisch und verfassungsfeindlich sei und dass von der AfD nichts anderes zu erwarten sei. ISD-Politik- und Forschungschef Jakob Guhl hatte als Hauptexperte längere Auftritte in einem ZDF-Video, mit dem der Sender Manipulationsvorwürfen zur Berichterstattung über die Anti-Rechts-Demos im Gefolge der Correctiv-Berichterstattung begegnete. Dort warnte er eindringlich vor der Gefahr, die von der AfD ausginge. Als das rumänische Verfassungsgericht aufgrund eines Raunens aus dem Verfassungsschutz von russischer Wahlbeeinflussung via TikTok den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl annullierte, erklärte der Ko-Chef von ISD Germany, Cornelius Adebahr, im Gespräch mit Dunja Hayali, dass das zum Schutz der Demokratie genau so gehandhabt werden müsse.

Wahlsicherung

ISD Germany ist auch für das Projekt Ahead.tech zuständig, das an einer „verfeinerten Methode zur Erforschung systemischer Risiken für Wahlen und darauf basierenden, zielgerichteten Risikominderungsmaßnahmen” arbeitet. Dabei geht es darum, die im Digital Services Act aufgelisteten Risiken aus Desinformation mit verschiedenen dort ebenfalls aufgelisteten offenen und verdeckten Methoden der Zensur zu bekämpfen. Aus dem Projekt ging unter anderem eine Studie im Auftrag der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu Identifikation, Bewertung und Bekämpfung von systemischen Risiken im Kontext des Digital Services Act hervor.

In Anbetracht der offen erklärten Gegnerschaft des ISD zur AfD und der Historie des ISD mit der Verunglimpfung von Berichten über Joe Bidens Gesundheitszustand im Wahlkampf als Desinformation muss man sich Sorgen um die Demokratie machen, wenn ausgerechnet dieses Institut mit großer Regierungsunterstützung Wahlen vor Manipulation durch „Extremisten” und durch das Ausland schützen soll.

Business Council for Democracy (BC4D)

Gemeinsam mit der Hertie-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung betreibt ISD Germany seit 2021 den Business Council for Democracy. Das ist, trotz des englischen Namens, eine rein deutsche Initiative. BC4D bietet Unternehmen kostenlose Schulungen für Arbeitnehmer am Arbeitsplatz „über die Ausbreitung von Hassrede, gezielter Desinformation und Verschwörungserzählungen” an. Gruppen von jeweils 20 Beschäftigten werden von professionellen Trainern darin geschult, „Verschwörungserzählungen und Desinformation zu erkennen und zu hinterfragen” und verdächtige Quellen als solche zu erkennen.

Viele große Unternehmen und Verbände haben das Angebot angenommen, darunter Airbus, Bayer, BDA, Bertelsmann Stiftung, Boehringer Ingelheim, Bosch, Charité, DB, Deutsche Bank, Telekom, Edeka, Evonik, Hochtief, Lufthansa, Mercedes-Benz, Otto, RKI, Roche, SAP, Schaeffler, Verdi und VW. Insgesamt sind es fast 200 „Netzwerkmitglieder”, mit stark steigender Tendenz.

Coalition to Counter Online Antisemitism (CCOA)

Das von Google finanzierte Projekt Coalition to Counter Online Antisemitism (CCOA) des ISD unter Regie von ISD Germany startete 2023 und soll in der Pilotphase Online-Antisemitismus in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Schweden begegnen. Ausgangspunkt ist eine windige ISD-Analyse, im Auftrag und bezahlt von der EU-Kommission, die von 2020 auf 2021 Covid-bedingt eine Versiebenfachung von antisemitischen Inhalten auf Twitter, Facebook und Telegram und eine Verdreizehnfachung in Deutschland feststellte. Auf dieser Basis stufen die ISD-Analysten u.a. das Reden oder Schreiben von einer „Neuen Weltordnung” oder einem „Great Reset” und Kritik an Eliten als antisemitisch ein, auch wenn diese gänzlich ohne Bezug zu Juden und dem Judentum auskommen.

Kooperationen mit Plattformen

2016 gründeten ISD und Facebook die Initiative für Online-Zivilcourage (OCCI), um die zivilgesellschaftliche Reaktion auf Hass und Extremismus im Internet zu schulen und zu verbessern. Mit Insight Reports von ISD werden die teilnehmenden Plattformen und „Nichtregierungsorganisationen” mit Informationen „über extremistische Propaganda, Narrative und Netzwerke” versorgt, damit sie effektive Kampagnen dagegen fahren können. Der Google.org and ISD Innovation Fund verteilte 2017/18 eine Million Pfund an Zuschüssen an Organisationen, die sich gegen Desinformation und Hass im Internet wenden. Als Vertrauenswürdiger Hinweisgeber im YouTube Priority Flagger Programm kann ISD Äußerungen zur Sperrung und Löschung vorschlagen.

Internet-Ausforschungsprogramm „Beam”

In einer Präsentation aus dem Jahr 2023 erklären ISD und dessen enger Kooperationspartner CASM Technology das gemeinsam entwickelte Instrument zur Ausforschung und Analyse von Internetmedien namens „Beam”. Es analysiert in einer Vielzahl von Sprachen und auf vielen Plattformen „Desinformation” und „Informationsbedrohungen”. Dafür gewannen ISD und CASM einen von US-Außenministerium und NATO ausgelobten Preis. Im Ukrainekrieg wird Beam „konsequent für die Erkennung und Analyse von kremlfreundlichen Desinformationskampagnen eingesetzt.” Vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2022 nutzten ISD und CASM Technology Beam „um Desinformation und Fehlinformationen zu untersuchen”, wobei Kontroversen um Covid-19 und um den Impfpass im Fokus standen.

Auch Wikipedia kann mit Beam systematisch gesäubert und sauber gehalten werden. ISD und CASM Technology untersuchten mit Beam die englischsprachige Wikipedia-Seite zum russisch-ukrainischen Krieg und fanden Änderungen von 86 Redakteuren, die später von der Wikipedia verbannt worden waren.

Compliance Monitoring zum Digital Services Act

Seit April 2024 analysiert ISD als Teil eines größeren Konsortiums für das EU-Kommissariat Connect die Einhaltung des Digital Services Act durch die Plattformen Facebook, Instagram, YouTube, X und TikTok in acht Sprachen.

Forum on Information and Democracy

ISD-Gründerin und Vorstandsvorsitzende Sasha Havlicek hat neben dem ISD auch das Forum on Information and Democracy gegründet. Daraus entstand die „Partnerschaft für Information und Demokratie” von 51 Ländern, darunter Deutschland. Die Kommission, die Havlicek aus Vertretern von ISD, Reporter ohne Grenzen und neun weiteren Organisationen zusammengestellt hatte, verfasste eine „Internationale Erklärung über Information und Demokratie”, in der Meinungsfreiheit in ihr Gegenteil verkehrt wird, indem Begriffe wie „zuverlässige” Informationen mit zensorischem Gehalt aufgeladen werden. Aus dem Recht, sich aus beliebigen Quellen frei zu informieren, wurde das Recht, sich auf die Informationen, die man findet oder die einem zugetragen werden, blind verlassen zu können.

Climate Action Against Disinformation (CAAD)

Zum Teil versteckt hinter der von ISD-CEO Sasha Havlicek 2022 gegründeten Tarnorganisation Climate Action Against Disinformation (CAAD) veröffentlichte ISD verschiedene Berichte und offene Briefe mit Forderungen zur Bekämpfung von sogenannter Desinformation in Sachen Klima. In einem ersten offenen Brief vor dem Klimagipfel 2021 forderte das ISD die Regierungen und Plattformen zu mehr Eifer bei der Zensur von Klima-Desinformation und zur Entwicklung einer „universellen Definition von Klima-Desinformation” auf. Es ist demnach ausdrücklich alles Desinformation, was von den Schlussfolgerungen des Weltklimarats IPCC abweicht und nicht auf Linie mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens liegt.

Quellen

  1. Norbert Häring — Institute for Strategic Dialogue — norberthaering.de
  2. Der Wahrheitskomplex (Kapitel 1, Kapitel 5) — Westend Verlag, 2026

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